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| | Unser Notfall in Brakel, Kreis Höxter vom 19. Februar 2006

Anfang Februar 2006 informierte man uns über eine extrem schlechte Kaninchenhaltung in einem kleinen Ort der Gemeinde Brakel im Kreis Höxter. Was uns beschrieben wurde, hörte sich wirklich schlimm an. Eine private Züchterin sollte angeblich Kaninchen in dunklen Verschlägen züchten, um sie dann gewinnbringend verkaufen zu können. Die Tiere wären zum Teil sehr krank und benötigten tierärztliche Versorgung. Tiere, die von der Züchterin nicht mehr gebraucht wurden, sei es, weil sie nach Aussage der Züchterin "häßlich" oder auch krank wären, hätte sie schon mehrfach verschenkt. Es sei aber dringender Handlungsbedarf nötig. Das zuständige Veterinäramt sei schon mehrfach von verschiedenen Tierschützern auf diese Haltung hingewiesen worden und wohl auch schon mehrere Male vor Ort gewesen, hätte aber nie Auflagen erteilt, ja noch nicht einmal etwas bemängelt.

Am 11. Februar 2006 machten wir uns einen ersten Eindruck von der Haltung vor Ort, natürlich inkognito, schließlich sollte die Züchterin ja nichts merken. Vor den Augen unserer Kollegen wurden die Kaninchenweibchen wiederholt in extrem grober Weise im Fell gegriffen und in Rückenlage auf Gitterkäfige geworfen. Das die Häsinnen möglicherweise tragend sein konnten, war der Vermehrerin zwar bewußt, ändert aber in keiner Weise etwas an ihrer rüden Art mit den Tieren umzugehen. Tiere, die "nicht in Frage" kamen, wurden in ihre Ställe zurückgeworfen. "Ausschußware" schenkte sie unseren Mitarbeitern.

Am 19. Februar 2006 waren wir wieder mit mehreren Personen vor Ort, diesmal aber um sie vielen Tieren wie möglich zu helfen und sie dort herauszubekommen. Was sich uns da erneut für ein Anblick bot, ist fast nicht zu beschreiben. Die Züchterin gewährte uns aber jetzt einen umfassenden und schockierenden Einblick in ihre Buchten.
Die Kaninchen sind in zwei Baracken untergebracht. Die hintere der beiden Baracken, eine Blechbaracke, wies mehrere total verdreckte, gammlige und stinkende "Buchten" auf, die in keiner Weise § 2 Absatz 2 TschG entsprechen, da sich die ausgewachsenen Tiere gerade mal eben um die eigene Achse drehen konnten, sich ihren Bedürfnissen entsprechend in keiner Weise bewegen konnten, sich noch nicht mal aufrichten konnten. Jede einzelne Bucht war schon lange nicht mehr ausgemistet worden. Eine mehrere Zentimeter hohe, mit Kot und Urin durchtränkte Strohschicht, bildete die Unterlage, deren oberste Lage eine komplette Kotschicht war, auf der die Kaninchenmütter mit ihren Babies vor sich hinvegitierten. In keiner der Buchten stand den Häsinnen eine Möglichkeit offen, ihre Würfe in geschützten trockenen und warmen Hütten zur Welt zu bringen. Die Häsinnen waren gezwungen, ohne vorhandenes Nestmaterial ihre Babies in den offenen nassen und kalten Buchten zur Welt zu bringen.

Eine Häsin hatte einen knapp 10 - 14 Tage alten Wurf, bei den Kleinen öffneten sich langsam die Augen, der ungeschützt, mit ein bischen Fell der Mutter umgeben, offen in einer kalten mit Kot verklebten Bucht lag. Dass durch diese nicht artgerechte Unterbringung der Muttertiere die Züchterin den Verlust einiger Jungtiere billigend in Kauf genommen hat, schien ihr völlig egal zu sein. In allen Buchten röchelte und nieste es.

Aber das Veterinäramt sei ja schon mehrfach vor Ort gewesen, hat aber nie Handlungsbedarf gesehen!

Aufgrund des extrem schlechten Gesundheitszustandes, der sich in der hinteren Baracke befindlichen Tiere, mußten wir umgehend handeln. Wir entschieden uns direkt vor Ort, da die Züchterin nicht wußte, dass sie einen Tierschutzverein vor sich hatte, so viele Kaninchen wie möglich aus ihrem Elend "herauszukaufen", was eigentlich durch eine Amtshandlung der zuständigen Behörde schon längst hätte erfolgen müssen. Die Züchterin griff ein Tier nach dem anderen an der Stelle, die das Kaninchen ihr gerade zuwendete. Mit absoluter Brutalität riß sie die Tiere entweder am Rückenfell oder zerrte sie am Fell des Hinterleibes aus den Buchten und hielt sie zum Teil kopfüber uns direkt vor die Nase. Bei diesen Tieren handelte es sich um Jungtiere im geschätzten Alter von 3 bis 5 Monaten. Die Tiere hatten fast alle eine nasse Nase, waren kotverklebt und je nach Fell total verfilzt. Zudem hatten sie extrem aufgedunsene Bäuche. Wir packten alles ein, was sie uns gab. Hauptsache den Tieren konnte endlich geholfen werden.

Völlig erstaunt war sie jedoch, als sie in unserer Gegenwart erst merkte, dass eine Häsin wohl zwei Würfe durchbrachte. Die Jungtiere des ersten Wurfes hatte sie uns schon gegeben, knappe 3 Monate alt und da "fand" sie bei dem Muttertier tatsächlich noch weitere Babies, deren Alter von uns auf knappe 3 Wochen am 19.02.2006 geschätzt wurde. Das Muttertier war völlig ausgemergelt, hatte starken Schnupfen und röchelte extrem. Die Züchterin lachte sogar noch als sie uns sagte, dass die Großen da wohl noch mit bei der Mutter getrunken und sich bedient hätten. Was das aber für die arme Häsin bedeutete war ihr egal. Die Vermehrerin ließ erst nach langem Reden zu, dass wir auch die schwer kranke Häsin und ihren jungen Wurf mitnehmen konnten, gegen Geld versteht sich.

Dieses Bild läßt erahnen, wie dürr die arme Häsin war. Leider ist sie zwischenzeitlich verstorben, ihre Krankheit hatte ihr zu sehr zugesetzt.
Sie zerrte die Häsin, wie alle anderen Kaninchen bis dahin, am Fell des Hinterleibes heraus, dabei fiel eins der Jungtiere aus der Bucht auf den Boden. Aus einer Höhe von ca. 30 bis 40 Zentimetern. Der Vermehrerin machte dies aber gar nichts.
Die Häsin hätte sie, nach eigenen Angaben in 3 oder 4 Wochen verschenkt, wenn die Babies ihre Mutter nicht mehr gebraucht hätten, denn "...wer will schon so ein krankes Tier? Das kann man nur noch verschenken" (O-Ton Vermehrerin). In 3 oder 4 Wochen hätte die Mutter aber bei der erneuten einsetzenden Kälte nicht mehr gelebt.
In der gleichen Baracke befanden sich in der ersten Bucht oben links eine Widderhäsin mit einem 5-er Wurf. Der Bauch der Häsin war völlig aufgedunsen, die Babies mit Kot im Fell verschmiert. Die Häsin konnte sich noch nicht mal in der Bucht ausstrecken, so klein war diese. Die Züchterin griff grob die Kleinen, hielt sie uns vor die Nase und meinte, dass diese schöne Fellzeichnung viel Geld bringen würde. Auch hier redeten wir sehr lange und bekamen Mutter und Wurf für 100 Euro komplett.

In der direkt darunter befindlichen Bucht kauerte eine schwarze Häsin mit ihrem 4-er Wurf. Die Häsin schnupfte sehr stark, ihre Nase war voller Eiter. Eins ihrer Babies war scheinbar blind, auch das war der Züchterin bewußt, sie erzählte uns, dass das vom Schnupfen käme und hätte tierärztlich behandelt werden müssen.
Sie hätte es aber nicht machen lassen und daher wäre das Jungtier jetzt eben blind. Dieses Tier würde sie in einigen Wochen auch verschenken, "...man könne sonst ja nichts damit anfangen..." (O-Ton Vermehrerin). Auch hier brachte Geld die Frau dazu, uns diese ebenfalls kranke Häsin mit ihrem Wurf zu verkaufen.

Das Baby im Februar 2006 Und im Mai 2006
In der Bucht ganz unten links saßen zwei ausgewachsene Kaninchen, wohlgemerkt 2 Tiere, wo die Bucht schon für ein Tier viel zu klein ist! Eins der Tiere war völlig apathisch, atmete sehr flach und hatte den kompletten Schnauz-Nasenbereich voller Eiter. Auf die vielen Schnupfenfälle angesprochen, antwortet die Züchterin, dass sie "...zwar wissen würde, dass die Tiere alle Schnupfen hätten, sie sich aber nicht an die Tiere binden möchte und von daher ihr Mann die Tiere versorgen würde. Und ihr Mann würde da nicht auf irgendwelche Krankheiten achten..." (O-Ton der Züchterin in Gegenwart aller vor Ort befindlicher Personen). Diese Frau wußte also, dass ihre Tier krank sind und ließ sie bewußt nicht behandeln! Sie ließ sie leiden und vor sich hinvegitieren und nimmt somit auch den Tod der Tiere billgend in Kauf.
Das apathische Kaninchen, einen Bock, schenkte sie uns dann, als sie unser Interesse an ihm sah. Denn auch das kranke Tier können man ja nur noch verschenken. Unsere Bemühungen, auch das zweite in der Bucht befindliche Tier zu bekommen, scheiterten allerdings. Es handelte sich dabei, laut Aussage der Züchterin um eine Häsin. Da sie mit einem unkastrierten, zwar sehr kranken Bock zusammengesessen hat, ist auch hier eine Trächtigkeit zu befürchten.

Auch scheiterten unsere Bemühungen, die noch in einer schmierigen Bucht sitzende Häsin mit ihrem jungen Wurf (von dem oben schon berichtet wurde) zu bekommen. Ein kurzer Blick auf das arme Tier und die Tür der Bucht wurde vor uns zugeknallt.

Bei dem apathischen Bock wurde e.c. nachgewiesen. Wir haben 4 Wochen um sein Leben gekämpft, den Kampf aber leider verloren. Wäre er sofort, beim Auftreten der ersten Anzeichen behandelt worden, er hätte eine sehr gute Chance auf ein schönes Leben gehabt.
Insgesamt haben wir der Frau inklusive der Babies 37 Tiere für insgesamt 470 Euro abgekauft! Wir mußten direkt vor Ort entscheiden. Keiner von uns hätte noch ein Auge zumachen können, wären wir gegangen ohne die Tiere rauszukaufen. Nur so hatten wir ja die Beweise in der Hand, die wir brauchten, um das Veterinäramt endlich zum Handeln zu bewegen - dachten wir zumindest zu diesem Zeitpunkt.

Alle Tiere sind Tierärzten vorgestellt worden, der Krankheitszustand und Krankheitsverlauf sowohl der schwer kranken und ausgemergelten Häsin mit den 2 Würfen, ebenso der schwarzen Schnupfenhäsin mit ihrem 4-er Wurf inklusive dem blinden Baby und ebenso des apathischen Bockes, der sich zum damaligen Zeitpunkt nur torkelnd und taumelnd vorwärtsbewegen konnte, der teilweise umfiel, der von uns sogar zwangsernährt wurde, weil er nicht fressen wollte vom Tierarzt dokumentiert. Noch einige Tage länger bei dieser Frau und er wäre vermutlich verhungert.

Natürlich erstatteten wir Anzeige beim zuständigen Veterinäramt und da wir ja schon im Vorfeld aus den bisherigen Handlungen des Veterinäramtes ahnen konnten, dass vermutlich wieder alles "im Sande verlaufen" würde, erstatten wir zeitgleich Strafanzeige gegen die Züchterin bei der zuständigen Staatsanwaltschaft, wegen Tierquälerei und Verstoßes gegen das Tierschutzgesetzt in mehreren Punkten. Eine Woche nach Absenden unseres Schreibens, wurden wir vom zuständigen Veterinäramt angerufen. Man hätte bei besagter Züchterin weder die von uns beschrieben Haltung vorgefunden, noch seien irgendwelche Tiere dort krank. Auch bei den Kontrollen im Vorfeld wären nie kranke Tiere aufgefallen. Dass die Tiere, die wir dort rausgeholt hätten, angeblich so krank wären, würde den Amtsveterinär schon verwundern. Dann allerdings wurde von der zuständigen Behörde am Telefon mitgeteilt, dass die Züchterin zugegeben hätte, dass sie uns die kranken Tiere mitgegeben hätte. Kranke Tiere???? Wo doch angeblich der Behörde bei den Vorkontrollen keine kranken Tiere aufgefallen sein sollen? Und wieso wurde der Züchterin seitens der Behörde scheinbar gesagt, wer Anzeige erstattet hätte und wieso sind wir in Person auch noch der Züchterin beschrieben worden? Das Veterinäramt hat da schon den Grundstein gelegt, dass uns jetzt direkt vor Ort die Hände gebunden sind und wir nicht weiter arme Tiere dort rausholen können.

Das Veterinäramt erbat von uns Berichte der behandelnden Tierärzte, um sie ein Bild von den "angeblichen " Krankheiten zu machen. Leider verzögerten sich die Zusendungen der Berichte einzelner Tierärzte, so dass sich alles immer mehr in die Länge zu ziehen drohte. Mittlerweile sind wir aber mehr als froh, der zuständigen Behörde in Höxter nicht die Berichte der Tierärzte zukommenlassen zu haben, denn am 26. April 2006 geschah Ungeheuerliches! Der zuständige Amtsveterinär tauchte bei einer unserer Zeuginnen auf, um deren private Tierhaltung zu kontrollieren. Die Tierhaltung wurde zum Teil kritisiert und dann wurde unsere Zeugin verbal vom zuständigen Amtsveterinär unter Druck gesetzt. Ziemlich abfällig soll der Wortlaut gefallen sein " ...Sie und Ihre BunnyHilfe werden noch mit rechtlichen Konsequenzen zu rechnen haben.....", dann verschwanden die Damen und Herren vom Veterinäramt wieder und liefen direkt bei der Tierärztin unserer Zeugin auf, um die Berichte der Behandlungen der besagten Tiere zu überprüfen.

Die Tiere schauen nun in eine positive Zukunft. Sie dürfen sich bei uns frei in schönen Außengehegen bewegen.
Wir möchten das im Moment hier nicht weiter kommentieren, sondern nur mitteilen, dass wir entsprechende rechtliche Schritte gegen dieses Verhalten eingeleitet haben und auf dieser Seite weiter informieren werden, sobald sich in dieser Angelegenheit etwas tut.

Anstatt sich um wirklich tierschutzwidrige Haltungen zu kümmern, in denen die Tiere elendig "verrecken", werden die Tierschützer, die so etwas melden unter Druck gesetzt. Hier haben wir einen extremen Fall, wie ein Veterinäramt gegen Tierschützer arbeitet, anstatt Hand in Hand zu arbeiten. Ob dies zum Wohl der Tiere geschieht, darüber kann sich jeder selber eine Meinung bilden.

Zwischenzeitlich sind leider schon mehrere Tiere ihren schweren Erkranungen erlegen.

Stand Februar 2007:
Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren eingestellt, da nicht nachgewiesen werden konnte, ob die "Züchterin" die Tiere vorsätzlich oder nur "zufällig" in dem Moment unseres Besuches vor Ort gequält hat...... Die Staatsanwaltschaft teilte weiter mit, dass die Vermehrerin die "Zucht" eingestellt hätte.
Aktuellen Informationen nach stimmt dies aber nicht. Im Januar 2007 erhielten wir die Information, dass sie lustig weiterzüchtet. Kontaktpersonen waren auch schon vor Ort.
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