| Myxomatose - ein Erfahrungsbericht

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Wir möchten an dieser Stelle unsere Erfahrungen mit Myxomatosekaninchen aufzeigen und verdeutlichen, dass man nicht immer gleich einschläfern muss.

Allerdings weisen wir auch darauf hin, den tierschutzrechtlichen Aspekt nicht außer Acht zu lassen.

Dieser Erfahrungsbericht zeigt auf, dass es möglich sein kann, an Myxomatose erkrankte Tieren zu "heilen". Sollten Sie aber keine Möglichkeit haben, das, bzw. die infizierten Tiere von den gesunden Tieren zu trennen und auch nicht die Möglichkeit haben, erkrankte Tiere aus Außenhaltung umgehend in Innenhaltung unterzubringen, um eine mögliche Ausbreitung der Krankheit durch Fliegen und Stechmücken zu verhindern, ist im Zuge der Vermeidung einer weiteren Ausbreitung der Krankheit von Therapieversuchen abzuraten.


Aus rechtlichen Gründen dürfen wir hier allerdings keine verschreibungspflichtigen Medikamente und deren Dosierung nennen!

Im September 2002 stellten wir bei einem unserer Tiere im Außengehege beidseitig geschwollene Augen fest. Da diese Schwellung völlig gleichmäßig an beiden Augen und zudem auch noch ziemlich plötzlich aufgetreten war, wußten wir sofort, dass es sich dabei nur um Myxomatose handeln konnte. Wir isolierten Mandy sofort aus der Gruppe, nahmen sie in die Innenhaltung und stellten sie einem Tierarzt vor, da unser Wissen über Myxomatose zu diesem Zeitpunkt eben nur aus der reinen Theorie bestand. Die Diagnose lautete: Verdacht auf Myxomatose. Uns wurde erklärt, dass Mandy nicht sehr viele Chancen hätte. Wenn sich der Verdacht bestätigen würde, sollten wir sie lieber einschläfern lassen. Damit gaben wir uns aber nicht zufrieden, sondern nahmen Augensalbe gegen die geschwollenen Augen und ein Antibiotikum zur Prävention der Sekundärinfektion mit, das von diesem Tage an täglich verabreicht werden mußte.

Ein anderer Tierarzt, den wir nach Myxomatose befragten, riet uns, dem erkrankten Tier mindestens vierzehn Tage Zeit zu geben. Leider bekommt man aus den auf dem Markt befindlichen Büchern keine Antworten auf seine vielen Fragen bezüglich dieser Krankheit. Wir verabreichten Mandy also vierzehn Tage lang täglich ein Antibiotikum in der Hoffnung, sie vor Lungenentzündung oder ähnlichen Sekundärinfektionen zu bewahren. Zwischenzeitlich war ein zweites Kaninchen, Walli, aus der Gruppe erkrankt. Auch Walli isolierten wir sofort und nahmen sie in die Innenhaltung auf. Nach besagten vierzehn Tagen vergeblichen "Bemühens" mußten wir zusehen, wie Mandys Körper immer mehr zuschwoll. Hätten wir zu diesem Zeitpunkt das Wissen besessen, über das wir heute verfügen, nie hätten wir Mandy zum damaligen Zeitpunkt einschläfern lassen. Doch wir wußten es eben nicht besser und erlösten sie knapp 21 Tage nach Ausbruch der Krankheit, obwohl sie noch allein fraß und trank. Zwischenzeitlich hatten wir im Internet eine sehr informative Seite, die sich ausgiebig mit dem Thema Myxomatose befaßt, gefunden, und zwar die MYXOMATOSIS HELP LINE, eine englisch verfaßte Seite, die uns sehr viel Informatives vermittelte. Wir bauten persönlichen Kontakt zu Robin, dem Verfasser der Seite auf, der uns mit Rat und Tat zur Seite stand. Ebenfalls erfuhren wir von ihm, dass seine Tierärztin ein Buch speziell über Kaninchenkrankheiten verfasst hätte, in dem auch sehr ausführlich auf die Myxomatose eingegangen würde. Diese Buch wäre allerdings in Englisch und würde knapp über 100 Euro kosten. Doch dieses Buch ist tatsächlich sein Geld wert! Wir erfuhren unter anderem daraus, dass man die erkrankten Tiere möglichst warm halten sollte, da das Myxomatosevirus empfindlich auf Wärme reagieren würde.

Während unserer Recherchen hatte sich allerdings Wallis Zustand derart verschlechtert, dass sie jegliche Nahrung und Flüssigkeit verweigerte. Zwangsernährung war bei ihr leider auch nicht möglich, da sie schwer nach Luft zog und somit nicht in der Lage war, den Brei in die Speiseröhre und nicht die Luftröhre gelangen zu lassen. Auch Walli mußten wir von ihren Qualen erlösen lassen.

Aus einer Pflegestelle hatten wir zwischenzeitlich ein weiteres an Myxomatose erkranktes Tier bekommen und waren fest entschlossen, unser erworbenes Wissen nun anzuwenden, um Pauline zu retten. Wir schätzten, dass Pauline schon vor gut sieben Tage die ersten Symptome dieser Krankheit gezeigt haben mußte, da sie schon weit fortgeschritten war. Scheinbar war dies der Pflegestelle nicht aufgefallen. Pauline hatte schon eine schreckliche Lungenentzündung. Sie rasselte grausig. Sie hätte viel eher behandelt werden müssen. Trotzdem gaben wir sie nicht auf und fingen mit der Behandlung an. Tag für Tag bekam sie Medikamente oral eingegeben. Wir weiteten uns dabei allerdings auch auf die Humanmedizin aus, da wir diese schon erfolgreich bei erkrankten Feldhasen eingesetzt hatten. Schon nach einer Woche hatten wir die Lungenentzündung im Griff. Pauline wurde täglich mit einem Antibiotikum gespritzt, die Augen wurden Tag für Tag gespült. Sie bekam Salben für die Augen, wir versuchten es auch mit Homöopathie. Jeden Tag bangten wir mit ihr. Ihre Augen waren irgendwann so zugeschwollen, dass sie nichts mehr sehen konnte. Doch Pauline schluckte neun Wochen lang, Tag für Tag, tapfer die Medikamente. Man merkte, dass sie uns völlig vertraute. Sie hat nie das Fressen verweigert. Wir mußten sie somit nie zwangsernähren. Mengen an Bepanthen haben wir auf dem Tier verteilt, wenn die Pocken wieder erneut aufplatzten. Sie hatte schrecklichen Schnupfen und bekam schlecht Luft. Wir ließen sie regelmäßig inhalieren, doch das reichte nicht. Sie zog immer heftiger Luft. Doch Not macht erfinderisch. Wenn Nasentropfen dem Menschen helfen, warum nicht einem Kaninchen? So bekam Pauline in der Akutphase täglich zwei Tropfen Nasentropfen pro Nasenloch und konnte wieder atmen. Als es ihr nach neun langen Wochen endlich wieder besser ging, setzten wir die Antibiotika ab.

Pauline ist jetzt, bis auf einen leichten Schnupfen, wieder völlig gesund, gut elf Wochen nach Krankheitsausbruch! Es war eine schreckliche Zeit für alle Beteiligten. Doch ihr eiserner Wille hat sie am Leben erhalten. Sie wollte noch nicht gehen und hat daher den Kampf gegen diese tödliche Krankheit gewonnen. Pauline hat nach diesen Erfahrungen ein hoffentlich noch langes und schönes Leben verdient. Sie war so tapfer und hat so gekämpft, jetzt dankt sie es einem mit den schönsten Schmuseeinheiten, die man sich bei einem Kaninchen nur vorstellen kann.

Aufgrund der seuchenartigen Ausbreitung der Myxomatose in diesem Jahr -durch
die Fahrlässigkeit der Besitzer (fehlende Impfungen), geben wir keinerlei
Behandlungstipps mehr raus. Die Behandlungstipps waren für die vereinzelt
aufgetretenen Fälle gedacht.
An diesem Punkt der Ausbreitung jetzt können wir es nicht mehr verantworten,
Behandlungsmöglichkeiten für Myxomatose herauszugeben.
Informationen zur Myxomatose: Myxomatosis Helpline (englisch)

Lesen Sie bitte auch unsere weiterführenden Informationen unter "Myxomatose - die Fakten".
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